Teil 2 · Was zu tun ist
Vom unguten Gefühl zu einem klaren Plan.
In Teil 1 hast du gesehen, woher die Verunsicherung kommt. Jetzt geht es darum, was du konkret tun kannst. In vier Stationen: warum der Weltmarkt etwas ganz anderes ist als eine einzelne Aktie, wie du dein Geld sinnvoll aufteilst, was in der nächsten Krise zu tun ist, und am Ende dein Plan in drei Schritten.
Station 4
Der Weltmarkt ist etwas grundlegend anderes als eine Aktie
Eine einzelne Aktie kann wertlos werden. Das hat die Telekom vielen Menschen schmerzhaft gezeigt. Ein weltweit gestreuter Aktienkorb enthält dagegen mehrere tausend Unternehmen aus Dutzenden Ländern: Volkswagen, Mercedes und Toyota. Bayer und Novartis. Apple, Samsung, Siemens, Nestlé. Die Firmen, deren Produkte in deiner Garage stehen, in deinem Medikamentenschrank liegen und in deiner Hosentasche stecken.
Dass ein solcher Korb seinen Wert vollständig verliert, würde den Zusammenbruch der gesamten Weltwirtschaft voraussetzen. Und ganz nüchtern gesagt: Sollte dieser Fall jemals eintreten, wäre dein Depot deine kleinste Sorge. Dein Tagesgeldkonto würde dir dann genauso wenig helfen. In einer Welt, in der Volkswagen, Bayer, Apple und Nestlé gleichzeitig untergehen, wäre auch dein Guthaben bei der Bank nichts mehr wert.
Einzelaktie gegen Weltmarkt: Telekom und Weltaktien seit 1996 (beide 1996 = 100, logarithmische Skala)
Die aufregende Einzelaktie liegt nach 30 Jahren bei etwa dem Doppelten, der unaufgeregte Weltmarkt beim knapp Fünffachen. Gerundete, schematische Verläufe auf Basis historischer Kurse (Telekom: Xetra; Weltaktien: MSCI World, Preisindex).
Der Weltaktienmarkt seit 1970 (schematisch, logarithmische Skala)
Alle Einbrüche sind enthalten, und dennoch zeigt die Linie langfristig nach oben. Schematische Darstellung; in der Umsetzung mit echten Indexdaten (MSCI World).
* Bezogen auf den MSCI-World-Index in der Vergangenheit. Die Entwicklung der Vergangenheit garantiert keine zukünftigen Ergebnisse. Genau deshalb wird breit gestreut und langfristig geplant.
Das realistisch schlimmste Szenario gehört dabei nicht ins Kleingedruckte: Ein schwerer Einbruch halbiert den Depotwert vorübergehend. Das ist vorgekommen und wird wieder vorkommen. Wer dann nicht verkauft, hat diese Verluste bislang in jedem Fall wieder aufgeholt. Wer verkauft, macht den Verlust real und verpasst danach häufig die Erholung.
Das eigentliche Risiko ist nicht der Börsencrash.
Es ist die eigene Reaktion darauf.
Exkurs
„Und was ist mit einer Immobilie?“
Wohnimmobilien real ×1,5
Weltaktien real ×10
seit 1975, inflationsbereinigt
Exkurs
„Und was ist mit einer Immobilie?“
Die Frage liegt nahe, denn Immobilien gelten als greifbar und solide. Und das stimmt ja auch: Das abbezahlte eigene Haus ist für viele der Grundstein ihres Vermögens. Darum geht es hier nicht. Die Frage ist eine andere: Taugt eine vermietete Wohnung als reine Geldanlage, also einzig dafür, Vermögen aufzubauen?
Grundsätzlich ist das kein schlechter Weg. Sein großer Vorteil ist der Fremdkapitalhebel: Die Bank leiht dir Geld, und du baust damit Vermögen auf, das du selbst noch gar nicht hast. Wer früh anfängt, in Jahrzehnten denken kann, bis die Kredite abbezahlt sind, und bereit ist, dauerhaft Zeit hineinzustecken, kann damit viel erreichen.
Genau diese Voraussetzungen fehlen aber meist in der Situation, um die es auf dieser Seite geht. Und es kommt einiges zusammen. Eine vermietete Wohnung ist das Gegenteil von Streuung: ein einziges Objekt, in einer Stadt, in einer Straße, mit einem Mieter. Dieses Klumpenrisiko bleibt selbst dann bestehen, wenn es mehrere Wohnungen werden. Dazu kommen rund zehn Prozent Kaufnebenkosten für Grunderwerbsteuer, Notar und Makler, bevor der erste Euro Miete fließt. Und verkaufen lässt sich im Zweifel nur das Ganze, nicht ein Zimmer davon.
Der Weg gleicht außerdem eher einem Nebenjob als einer Geldanlage. Mietersuche, Reparaturen, Nebenkostenabrechnungen, im Streitfall Anwälte: Genau diese Verpflichtungen möchte man sich in dieser Lebensphase eigentlich nicht mehr ans Bein binden.
Auch die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Der Vermögensverwalter und Autor Gerd Kommer hat die Daten zusammengetragen: Breit gestreute Aktienanlagen haben sich historisch bei vergleichbarem Risiko gleich gut oder besser entwickelt als Vermietungsimmobilien. Eine Auswertung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) unter privaten Kleinvermietern kam für die Jahre 2002 bis 2012 im Durchschnitt auf eine reale Eigenkapitalrendite von etwa null Prozent. Der Hauptgrund: Instandhaltung, Leerstand und die eigene Arbeitszeit werden selten ehrlich mitgerechnet.
Wer bereits eine Immobilie besitzt, hat den greifbaren Teil seines Vermögens längst. Umso mehr spricht dafür, den freien Teil über die Weltwirtschaft zu streuen statt ein zweites Klumpenrisiko aufzubauen.
Mein eigener Vater wollte vor einigen Jahren noch eine Wohnung als Kapitalanlage kaufen. Wir haben gemeinsam nachgerechnet. Er hat es gelassen und ist heute froh darüber.
Reale Wertentwicklung seit 1975: Wohnimmobilien Deutschland vs. Weltaktienmarkt (inflationsbereinigt, 1975 = 100, logarithmische Skala)
Reine Preisentwicklung ohne Mieteinnahmen bzw. Dividenden, vor laufenden Kosten. Instandhaltung (typisch 1–1,5 % des Objektwerts pro Jahr) und rund 10 % Kaufnebenkosten würden das Immobilienergebnis zusätzlich mindern. Vereinfachte reale Verläufe; Quellen: Deutsche Bundesbank/bulwiengesa (Wohnimmobilienpreise), MSCI, Verbraucherpreisindex.
Quellen: Gerd Kommer, „Kaufen oder Mieten?“ (Campus Verlag); gerd-kommer.de: Eigenheim vs. Weltportfolio; DIW-Erhebung zu privaten Kleinvermietern (2002–2012).
Station 5
„Dafür bin ich zu alt“: stimmt meistens nicht!
Niemand empfiehlt, das gesamte Vermögen in Aktien anzulegen. Es wird auf drei Töpfe aufgeteilt, und diese Aufteilung löst zwei Sorgen auf einen Schlag: „Was, wenn ich das Geld brauche?“ und „Was, wenn genau dann die Börse crasht?“
Die richtige Aufteilung ist dabei keine Formel, sondern das Ergebnis ehrlicher Fragen: Was muss jederzeit greifbar sein, wenn das Auto streikt, die Waschmaschine aufgibt oder eine Reise ansteht? Welche größeren Ausgaben sind in den nächsten fünf bis zehn Jahren absehbar, etwa ein neues Auto, die Heizung, Unterstützung für die Kinder? Und eine Frage, die immer wichtiger wird: Reicht die Rente, um deinen Lebensstandard zu halten, oder brauchst du monatlich einen festen Betrag aus dem Ersparten dazu, etwa 500 oder 1.000 €? Dann gehört auch dieser Bedarf für die nächsten Jahre in die sicheren Töpfe, nicht ins Depot. Was darüber hinaus übrig bleibt, wird langfristig angelegt.
Deine Zahlen aus Teil 1: 150.000 €. Teile sie auf:
Topf 1: jederzeit griffbereit (Rücklage + nächste Zeit)
Topf 2: planbare Ausgaben der nächsten 5–10 Jahre (Auto, Haus, Familie und ggf. dein monatlicher Zuschuss zur Rente)
Bleibt auf deinem Gerät. Es sind deine Zahlen, nicht unsere.
Topf 1 · Verfügbar
20.000 €
Tagesgeldkonto. Jederzeit zugänglich, wenn das Auto streikt, die Waschmaschine aufgibt oder eine Reise ansteht.
Topf 2 · Planbar
30.000 €
Gut verzinstes Tages- oder Festgeld, zwei bis drei Prozent sind wieder möglich. Für absehbare größere Ausgaben und für den monatlichen Zuschuss, falls die Rente den Lebensstandard allein nicht trägt. Nicht auf dem Girokonto.
Topf 3 · Langfristig
100.000 €
Geld, das nachweislich zehn und mehr Jahre Zeit hat. Nur dieser Topf wird weltweit gestreut in Aktien angelegt.
Oft werde ich gefragt: „Und wie viel soll ich jetzt von meinem Vermögen in ETFs investieren …?“ Im Netz kursieren Faustformeln wie „100 minus Lebensalter in Aktien“. Ich halte davon nichts. Ein Beamter, dessen Pension seinen Lebensstandard komplett trägt, muss keine 60 Prozent seines Vermögens auf dem Tagesgeldkonto horten. Wer dagegen später vom Ersparten leben wird, rechnet völlig anders. Es kommt auf deine Situation an. Deshalb stehen oben drei Fragen statt einer Formel.
Damit gerätst du nie in die Lage, während eines Kurseinbruchs verkaufen zu müssen, und angelegt wird ausschließlich Geld, das die erforderliche Zeit hat.
Und zum Einwand des Alters: Mit Anfang sechzig liegen statistisch noch mehr als zwanzig Lebensjahre vor dir, ein vollwertiger Anlagehorizont. Hinzu kommt: Ein Teil dieses Vermögens wird voraussichtlich an die nächste Generation übergehen. Auch dafür ist ein breit gestreutes Depot der geeignetere Ort als ein Konto, dessen Kaufkraft Jahr für Jahr abnimmt.
Topf 3, dieselbe Summe, zwei Wege: 100.000 € über 15 Jahre
Weg A · Du legst es weltweit in ETFs an
≈ 165.474 €
Reale Kaufkraft bei 6 % Wertentwicklung
nominal ≈ 239.656 € vor Inflation
Weg B · Du lässt es auf dem Konto
≈ 69.047 €
Reale Kaufkraft nach 2,5 % Inflation
nominal ≈ 100.000 € vor Inflation
Unterschied nach 15 Jahren: ≈ 96.427 €
Annahmen: 6 % p.a. Wertentwicklung (konservativ gegenüber dem historischen Durchschnitt des Weltmarkts), 2,5 % Inflation. Beide Beträge in heutiger Kaufkraft. Keine Garantie, sondern eine Rechenhilfe.
Diese Aufteilung war in meinen Gesprächen jedes Mal der Wendepunkt: Sobald klar war, dass nur ein Teil angelegt wird und der Rest griffbereit bleibt, war die Angst auf einmal viel kleiner.
Station 6
Was du beim nächsten Börsencrash tun musst: nichts
Die nächste Krise kommt. Das ist keine Vermutung, sondern die Erfahrung aus hundert Jahren Kapitalmarktgeschichte. Mit ihr kommen die Schlagzeilen: „Börsenbeben – jetzt verkaufen?“
Der Plan für diesen Moment wird deshalb heute gefasst, in Ruhe: nicht verkaufen, nicht aussetzen, nichts „vorübergehend in Sicherheit bringen“. Wer im Tief verkauft, macht aus einem Buchverlust einen echten. Theoretisch lässt sich später wieder einsteigen, praktisch gelingt das fast nie rechtzeitig: Die Erholung kommt meist schnell und unangekündigt, und wer draußen ist, verpasst genau diese entscheidenden Tage. Ausgesessene Einbrüche haben sich bislang dagegen stets wieder aufgeholt. Die Töpfe eins und zwei stellen sicher, dass du dir diese Geduld leisten kannst.
Der Börsencrash 2008 aus Sicht eines Weltportfolios (schematisch, Einstieg 2004 = 100)
Geld verloren hat nur, wer im Tief verkauft und den Wiedereinstieg verpasst hat. Genau das ist der häufigste Verlauf, denn die Erholung kommt selten mit Ankündigung. Schematische Darstellung eines Weltportfolios, Einstieg 2004.
Bei jeder großen Schlagzeile bekomme ich bis heute Nachrichten aus der Familie: „Sollten wir jetzt nicht verkaufen?“ Die Antwort war bisher jedes Mal dieselbe, und sie hat sich jedes Mal ausgezahlt.
Die ruhige Stimme, wenn alle schreien
Ein Angebot: Wenn die nächste große Schlagzeile kommt, erhältst du von mir eine kurze, sachliche Einordnung: was geschieht, und weshalb es keinen Grund zum Handeln gibt. Keine Werbung, kein Alarm. Nur dann, wenn es wirklich rauscht.
Die Anmeldung startet in Kürze, diese Seite ist gerade erst entstanden.
Station 7
Das Wesentliche: dein Plan in drei Schritten
Das Komplizierte an der Geldanlage ist nicht die Sache selbst, sondern der Lärm darum herum. Was tatsächlich zu tun ist:
Teile dein Vermögen auf drei Töpfe auf
Nach deinen Angaben: 20.000 € griffbereit auf dem Tagesgeldkonto, 30.000 € sicher geparkt für Planbares, 100.000 € langfristig.
Lege den langfristigen Topf in weltweit gestreute ETFs an
Mehrere tausend Unternehmen, geringe Kosten, keine Einzelwetten. Ob dafür ein einziger weltweiter ETF reicht oder eine Kombination aus wenigen sinnvoller ist, hängt von deiner Situation ab – das gehen wir im Umsetzungs-Tutorial Schritt für Schritt durch.* Wichtig ist zunächst nur: weltweit, breit gestreut, günstig.
Lass dein Depot in Ruhe, insbesondere in der Krise
Steuerliche Feinheiten und Optimierungen sind nachgelagerte Details mit geringem Einfluss auf das Ergebnis.
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Wenn du es jetzt umsetzen willst
Bis hierhin war alles kostenlos, und es fehlt nichts. Das Prinzip ist vollständig dargestellt. Für die Umsetzung gibt es ein Schritt-für-Schritt-Tutorial: Depot eröffnen, einen geeigneten ETF finden, Sparplan oder Einmalanlage einrichten – jede Eingabemaske, jeder Schritt, verständlich erklärt.
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Es ist nicht kompliziert.
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